Zielsetzung und Entwicklung

Der Bürgerpark in Braunschweig zählt zu den wichtigsten Gartenschöpfungen am Ende des 19. Jh.´s in der Region Braunschweig, obwohl seine Entstehung durch eine schwierige und z. T. nur abschnittsweise und lange Bauphase gekennzeichnet war, deren konsequente Umsetzung dem engagierten Tun seines Schöpfers, des herzoglichen Promenadeninspektors Friederich Kreiß und seiner umfassenden Gesamtplanung zu danken ist. Der Bürgerpark entstand im Nachgang der Umgestaltung des bereits durch Kreiß von 1864-1869 angelegten  Bahnhofsparks

im südlichen Anschluss an das städtische Wasserwerk ab 1886 und erstreckten sich bis zur Eisenbüttler Str.. Die Bauarbeiten zogen sich über einen Zeitraum von insgesamt ca. 35 Jahren hin.

Davor war die Fläche zum überwiegenden Teil von feuchten, mit Pappeln und Weiden bestandenen Auwiesen geprägt und von einzelnen Gräben und Wegen durchzogen. Um 1869 beginnt Kreiß ohne Auftrag der Stadt mit der Ausarbeitung eines Entwurfs zu dem 37 ha großen Stadtpark.

 

Die Idee, der Bevölkerung und dem gehobenen Bürgertum eine adäquate Grünanlage zur Verfügung zu stellen, entwickelte Kreiß aus den Erkenntnissen seines beruflichen Werdeganges als Gärtner im Londoner Battersea Park. Diese, dort studierten Gestaltungs- und Nutzungstendenzen nahm Kreiß auf und konzipierte in seinem heute

noch vorliegenden Entwurf (vgl. Abb. 1) eine von vielen Vergnügungsmöglichkeiten und architektonischen Elementen geprägte eher „großstädtisch anmutende“ Parkplanung. Insbesondere sein Vergnügungsprogramm und die damit verbundenen Parkbauten wurden vom Stadtrat und einer Kreiß vorgesetzten sog. „Parkdeputation“ reduziert . Andere Elemente fielen den schon damals von außen herangetragenen Nutzungsansprüchen anheim und mussten statt der Kreiß´schen Vorschläge in den Park integriert werden (z. B. Tennisplätze). Entstanden ist bis ca. 1925 ein nach zahlreichen Umplanungen und den begrenzten finanziellen Mitteln Braunschweigs geschuldeter, eher den konservativen gesellschaftlichen Einflüssen der Zeit entsprechender kleinteiliger, landschaftlicherStadtpark“ im sog. „gemischten Stil“. Zwar trug der Park noch dem aristokratischen Repräsentationsbedürfnis des aufstrebenden Großbürgertums Rechnung, im Gegensatz zum Prinz Albrecht Park nahm der Bürgerpark mit seinen Sport- und Spielflächen jedoch schon damals die von Kreiß gewünschte öffentliche Nutzbarkeit mit den sozialen Intentionen des kurze Zeit später aufkommenden „Volksparks“ auf (Spiel- Und Sportanlagen).

Seit seiner Planungsphase Ende des 19. Jh. hat vor allem die Umnutzung zentraler Parkflächen, erhebliche Veränderungen auf das räumliche Programm zur Folge gehabt. Von Kreiß Vergnügungsprogramm blieb daher bis 1915 nur das Parkhaus im Portikuspark erhalten, welches im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

1895/96 wurde auf Betreiben des Architekten Uhde der Portikus der Artilleriekaserne am Augusttor (Krahe) im sog. Portikuspark aufgestellt.

Daneben war man bestrebt, den Park mit einem anspruchsvollen Brückenprogramm auszustatten. Dazu errichtete man 1900/01 die sog. „Drachenbrücke“ in „Gründerzeitarchitektur“ und 1904/06 die nach dem Stifter benannte „Haslicht“-Brücke zur gleichnamigen Insel. Von diesen aufwendigen Brücken ist die kriegszerstörte Drachenbrücke in schlichter Betonbauweise wiedererbaut worden, während die anderen Brücken wegen Baufälligkeit 1974 abgerissen wurden. Die Holzbrücken am Wasserwerk und der Hohenworth blieben erhalten.
Nach dem 1. Weltkrieg und dem Tod Kreiß vervollständigte Michael den Kreißberg mit umfangreichen Felsformationen und einer alpinen Bepflanzung im oberen Teil. Vom Gipfel hatte man einen 360° - Blick auf die Umgebung bis zum Elm und Harz, von dem heute wie auch von der anspruchsvollen Bepflanzung nichts mehr zu erleben ist.

Portikus des ehem. Augusttores im Bürgerpark