Hauptschulgarten am Dowesee
Küchen- und Kräuterabteilung

Zielsetzung und Geschichte

Die Gartenkunst des beginnenden 20. Jh. war gekennzeichnet durch zwei unterschiedliche Stilrichtungen, die des "gemischten Stils Lenne - Meyerscher Schule" und die der "Neuen Sachlichkeit" der Architekten Muthesius und Enke. Diese neue Ausrichtung wurde vorwiegend von Künstlern und Architekten initiiert, die von den villenartigen Gebäuden ausgehend wieder die Einheit von Gebäude und Garten herstellen wollten.
Die Freiflächen sollten sozial - hygienische Funktionen haben und nicht ausschließlich als Kunstobjekte dienen. Sie wurden als erweiterter Wohnraum mit einem hohen Benutzbarkeitsgrad angelegt und waren gerade bei den Architekten von kühler Formensprache und repräsentativem Stil geprägt. Daneben existiert jedoch als 2. neue Stilrichtung die Naturgartenbewegung, die versuchte, sich an der heimatlichen Kulturlandschaft ohne feste ästhetische Regeln zu orientieren und der Natur einen Schutzraum zu geben. Von 1905 - 1928 herrschte dabei ein regelrechter Dogmatismus der Geometrie vor, der zum Formalismus und Schablonenhaften degenerierte.
In diesem gesellschaftlichen Kontext entstand der "Schul – und Bürgergarten" oder wie er seit Alters her auch genannt wird, der "Hauptschulgarten" aus einem vernässten Erdfall, dessen Ufer schon in der Steinzeit besiedelt waren, einem alten Torfstich sowie aus einem adeligen "Sommergarten" mit historischen Gartenhaus. Der Park liegt nördlich des Siegfriedviertels um den Dowesee.

Nach dem 1. Weltkrieg legte des Lehrers Paul Ramke zusammen mit dem Gartendirektor Michael den "Hauptschulgarten" an, in dem die typische Braunschweigische Gartengeschichte und Gartenkunst hier ein anschauliches Abbild fand. In Teilen wurden dabei gut überlieferte Themengärten geschaffen, die von besonderem gartendenkmalpflegerischen Wert, vor allem in der vegetabilen Ausstattung (z. B. "Norddeutscher Bauerngarten", "Duftgarten", "Irisgarten", Alpinum) sind. Er sollte damals „als zentraler Liefer- und Lehrgarten für alle staatlichen Schulen der Stadt“ (Zitat: Förderverein Schul- und Bürgergarten 1994) dienen. Daneben bestand schon damals der Anspruch, das der Garten auch für die Öffentlichkeit als Bildungs- und Naherholung dienen sollte. „Diese Funktion erfüllt er noch heute“ (Zitat: Förderverein Schul- und Bürgergarten 1994).

 

 

Konzeption des Parks
Besonderes Charakteristikum des gesamten Parks ist jedoch die fortwährende und kontinuierliche Weiterentwicklung des Schul – und Bürgergarten um den Dowesee herum, die in grundlegender Weise die Veränderung seines Parkbildes geprägt hat, der heute eine Größe von 8,8 ha hat.
Infolge der oben skizzierten Entwicklung wurden vor allem die älteren Teile der Parkanlage im geometrischen Stil angelegt. Ablesbar ist dieses an dem im Wesentlichen erhaltenen charakteristischen Wegesystem. Daneben existieren in den einzelnen Teilflächen eingegliederte floralbestimmte Naturgartenzellen (Waldgesellschaften, Arboretum). Der Garten wies in seiner Anfangsphase folgende Einzelgärten auf, von denen der überwiegende Teil noch erhalten ist:

- Verwaltungsgebäude (heute mit kleinem, zu besichtigenden Museum)
- v. Bossesches Gartenhaus (heute Biologiestation für die Braunschweiger Schulen)
- Anzuchstättet (heute nicht mehr betrieben)
- Lieferungsbeete (heute nicht mehr betrieben)
- Systematische Abteilung
- Lebensgemeinschaften (Wald, Wiese, Heide, Moor, Düne, Sumpf,
Wasserfläche, Alpinum)
- Heil- und Giftpflanzenabteilung
- Rohstoffpflanzenabt. für Öl-, Färbung-, Textil- und Gewürzgewinnung
- Nutzpflanzenabt. (Getreide, Gemüse, Futterpflanzen, Obst)
- Unkräuter
- Bienenfutterpflanzen
- Abteilung für Pflanzenmorphologie
- Gärtnerische Züchtungen
- Abteilung der immergrünen Gehölze und Nadelbäume
- Farnschlucht
- Niedersächsischer Bauerngarten
- Pflanzungen der natürlichen Lebensgemeinschaften
- Unkräuter (heute "Wildkräuter")
- Duftgärtchen (nicht mehr erhalten)
- Musterschrebergarten (nicht mehr erhalten)
- Irisgarten (nicht mehr erhalten)

In den vergangenen Jahren wurde und werden schrittweise nach einer Phase der schleichenden Veränderung Erneuerungen in den Themengärten durchgeführt (z.B. Alpinum, Bauerngarten, Phloxgarten, Küchen- und Kräuterabteilung usw.), die dem Park seinen besonderen Reiz als Erholungs- aber auch als Bildungsstätte geben.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Garten von Gartendirektor Druxes 1953 mit einem Bereich von höherem gartenhistorischen Wert erweitert, der ein gutes Abbild von einer Parkanlagen im Stile der 50 er Jahre ist. Zentrales Element ist ein mit Stauden gesäumter Wassergraben.
Leider sollen weite Teile dieses Bereiches zukünftig überbaut werden, was einen erheblichen Eingriff in die noch weitestehend intakte Gestaltung einer historischen Parkanlage bedeutet und zu irreversiblen Eingriffen führt.

Weiterführende Literatur:
Förderverein Schul- und Bürgergarten,
“75 Jahre Schul- und Bürgergarten am Dowesee“
Braunschweig 1994


Adresse:
Schul- und Bürgergarten
Doweseeweg 2
38112 Braunschweig

Straßenbahnlinie 2/6 Burgundenplatz,
dann zu Fuß Arminiusstr. und Doweseeweg
Buslinie 416/436 H Siegfriedstr. oder Nordbad,
dann zu Fuß Bienroder Weg und Doweseeweg
Zufahrt für PKW: nur über Ohefeld, Ecke Mergesstr.
in den Doweseeweg abbiegen



Öffnungszeiten:
Ganzjährig ab 9:00 Uhr geöffnet.
geschlossen wird:
vom 01. November bis 28./29. Februar um 16:00 Uhr
vom 01. März bis 30. April um 18:00 Uhr
vom 01. Mai bis 31. August um 20:00 Uhr
vom 01. September bis 31. Oktober um 18:00 Uhr

Text und Bilder: Kai-Uwe Grahmann

Staudenband am Dowesee
Lageplan (Landschaftsarchitekt Kai-Uwe Grahmann)
Alpinum