Inselwallpark

Zielsetzung und Geschichte

Der Inselwallpark und Löbbeckes Insel entstanden mit der sog. ”Walldemolierung”
des ausgehenden 18. Jh. im Zuge der Anlage eines Gartenringes um die mittelalterliche Kernstadt. Braunschweig folgte damit dem Vorbild anderer deutscher Städte und veräußerte hierzu die ehemaligen Wallanlagen parzellenweise an Privatleute, mit der Auflage, die Festungswerke abzutragen und sie "zum Wohle und zur Erbauung der Stadtbevölkerung" zu gestalten. Mit dem Kauf des ehemaligen Ludwigsbollwerks 1802 durch Heinrich Wilhelm Bierbaum für seinen aus England zurückkehrenden Bruder Julius Georg Bierbaum ließ dieser nach seinen in England gewonnen Eindrücken einen Landschaftspark anlegen. Damit reihte der Park sich als zweite großzügige, "im neuen Geschmacke" gestaltete Anlage nach dem Herzoglichen Park in die neue gärtnerische Bewegung ein und spiegelt allein durch seine Größe die Stellung und Möglichkeiten des aufstrebenden Bürgertums in Braunschweig zur damaligen Zeit wieder. Die differenzierte Entwicklungsgeschichte vom Inselwallpark und Löbbeckes Insel ist wie die Flächen selber getrennt von einander verlaufen. Wurde der eigentliche Hauptpark schon 1805 mit dem Bau einer Villa und einer heute wieder sanierten, eher barocken Toranlage gestaltet, so verblieb auf Löbbeckes Insel neben einem Rundtempel anstelle der heutigen Villa lange Zeit noch ein Nutzgarten, bis mit dem Besitzerwechsel 1865 und später 1880 die Löbbecksche Villa auf dem ehemaligen Rotundehügel errichtet und gleichzeitig ein Landschaftspark um das Gebäude angelegt wurde. Besonders auffällig war die schlossartige Stellung der Bierbaumschen Villa im Bezug auf den Inselwall mit einem vorgelagerten Ehrenhof (Orangerie) und monumentalen Eingangstoren im Hauptpark. Aber auch hier wurde um 1881 die v. Girsewaldsche Villa erbaut und die südwestlichen Teile vollständig verkauft, wodurch es zu einer Flächenzergliederung und zwangsläufigen -veränderung kam. War der ursprüngliche Park noch durch lockeren Gehölzpflanzungen und viele florale Elemente eher als ausgedehnter Pleasureground gestaltet, so gekennzeichnete den Park nach diesen Veränderungen die räumliche Enge kleinerer Villengärten und die herangewachsenen mächtigen Baumkulissen. Von diesen sind heute nach die mächtigen Sumpfzypressen, Kastanien und Platanen. Veränderungen vollzogen sich auch im Umfeld des Parks, wo durch die zunehmende Bebauung der ursprüngliche Landschaftsbezug verloren ging. Nach 1945 waren die Gebäude zerstört und der Park verwilderte zusehends bis mit dem Besitzerwechsel 1958 in den 60 er Jahren eine Sanierung durchgeführt wurde, bei der die Fontäne an Stelle des Hauptgebäudes der ehemaligen Villa und ein Spielplatz auf Löbbeckes Insel errichtet wurde. Der Park ist dadurch als Grünanlage im Stile der 50 er Jahre umgebaut worden. In dieser Zeit wurde auch das gesamte Wegenetz völlig überarbeitet und die Parkteile mit Brücken verbunden. Von der vielfältigen Ausstattung des Parks mit Gebäuden, Kleinarchitekturen und Gartenskulturen blieb nur die Löbbecksche Villa und einige barocke Gartenstatuen erhalten.
Erst 1983 konnte das v. Girsewaldsche Grundstück wieder in den Park integriert worden ,nach dem dort seit dem Krieg eine Kindertagesstätte in Baracken untergebracht war. Die verbliebene Felsengrotte verfiel in der folgenden Zeit zusehends und wurde überwuchert. Aus dieser bewegten Entstehungsgeschichte heraus lässt sich schließen, dass der Park vieles von seiner ursprünglichen Gestaltungsqualität verloren hat oder zwangsläufig verändert werden musste. Lediglich das vegetabile Gerüst aus Altbäumen weist noch auf die räumliche Komposition und die Sichtbeziehungen hin.

Ab 2000 wurden an Hand eines gartendenkmapflegerischen Gutachtens die historischen Eingangstore und Zäune sowie die gesamte Erschließung, die Sitzplätze, das Umfeld der Fontäne und die ehemalige Vorfahrt wiederhergestellt. Die zur Komplettierung des Ensembles angestrebte Rückführung des reichen Skulpturenschmuckes des Gartens, der z. T. aus Salzdahlum stammte und nach dem Krieg auch noch vorhanden war, scheiterte u. a. an nach Jahrzehnten wieder geltend gemachten Besitzansprüchen der ehemaligen Alteigentümer, so dass bis heute nur eine Gartenplastik wieder an ihrem angestammten Platz am Rondell aufgestellt werden konnte. Als weitere Maßnahmen wurden zahlreiche unpassende Sichtbetonmauern der 60 er Jahre aus dem Park entfernt und in Erinnerung an den an dieser Stelle stehenden Gartenpavillon der Tangoplatz neu gestaltet. Hier finden im Sommer immer wieder Tanzveranstaltungen statt.

Mit dem Bau eines unterirdischen Pumpwerks am nördlichen Parkeingang konnten 2009 die verbliebenen Ausstattungsreste des v. Girsewaldschen Villengartens gesichert und die Gartenanlage mit ihrer ursprünglichen Wegeführung und Bepflanzung saniert und wieder hergestellt werden.

Literatur:

Tute, Köhler: "Gartenkunst in Braunschweig, in Braunschweiger Werkstücke,

Band 76 /1989

Grahmann: " Pflege- und Entwicklungskonzept Inselwallpark mit Teilen von Löbbeckes Insel ",

Braunschweig 1999



Adresse:
Inselwall
38100 Braunschweig

Station Am Wendentor, Inselwall
Straßenbahn
M 1,2,4