Berggarten Königslutter

Zielsetzung und Geschichte
Der erste Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Königslutter, Dr. Jean Paul Hasse initiierte die Anlage des Berggartens am AWO Psychiatriezentrums Königslutter" aus hygienischen und therapeutischen Gründen". Allgemein wird auch von seiner Urheberschaft als Parkschöpfer ab 1879 ausgegangen. Hierzu ist 1875 das damals noch private " Ullrich´sche" Grundstück mit seinem ungenutzten Steinbruch und Quellen angekauft worden. Man beabsichtigte, aus diesem Bruch die Steine für den Bau weiterer Gebäude der Pflegeanstalt zu brechen. Hasse vertrat die Auffassung, dass in dem Park " die einzigen schattigen Promenaden für unsere Anstaltsinsassen"  liegen. Die Umgestaltung des Steinbruchs zu einem Park mit Kaskaden und Teichen wurde unter Mithilfe von Tagelöhnern und arbeitsfähigen Patienten durchgeführt und 1885 " mit der Anlage von Teichen, Wasserfällen , Fontänen und dergl." abgeschlossen. Der seit der Antike geltende Grundsatz, das Bewegung im Freien, in der Natur, als Weg zu geistiger und körperlicher Gesundheit führt, stand als Leitidee bei dieser Vorgehensweise Hasses sicherlich Pate. Auch war seit dem römischen Arzt Galen von Pergamon bekannt, dass die Tätigkeit in Garten und Landwirtschaft zur Linderung von psychischen Störungen führen konnte. Reil aus Deutschland und Rush in Amerika bewirkten Ende des 18. Jh. ´s , dass psychisch Erkrankte durch die Beschäftigung im Freien wieder teilhaben konnten am gesellschaftlichen Leben.

Konzeption des Parks

Der Berggarten mit seinen 1,6 ha Größe war Teil weit umfänglicherer Garten- und Grünanlagen des Psychiatriezentrums und erstreckt sich auf einer Dreiecksfläche westlich des Kaiserdoms. Er umfasste im 19. Jh. neben dem Park mit seinen Teichen auch Flächen südlich einer den Park in zwei Hälften trennenden Straßenrampe, die damals als Tiergarten genutzt wurden. Der nördliche Bereich ist das eigentliche Kernstück des Parks. Er wird durch ein Tal geprägt, in das das Wasser der Lutter über sehr aufwändige und malerische Kaskaden zwei Teichen zu geleitet wird. Mit den Teichen, Wasserfällen (hergestellt aus regionstypischen Kalktuffstein, dem sog. "Duckstein"), Felswänden und Sitzbereichen wurde ein für die damalige Zeit typischer romantischer Park geschaffen. Zur weiteren Steigerung dieser Atmosphäre errichtete man eine künstliche Grotte, die jedoch heute nicht mehr begehbar ist. Um die Teiche sind halbkreisförmige Sitzplätze (sog. „Exedren“) angeordnet, von denen die bewegte Szenerie in Augenschein genommen werden kann. Mit einem Borkenhaus errichtete man ein weiteres „pittoreskes“ Ausstattungselement, welches zusammen mit der darunter gelegenen Grotte ein sehr malerisches Parkbild ergab. Auch ein Eiskeller existiert noch heute in der Südwestecke des Parks. Den Park durchziehen verschiedene Rundwege, die über kleine Brücken geführt werden und auf Grund der bewegten Topographie und Gewässer und der dichten Bepflanzung im engen Abstand verlaufen und so den Park größer erscheinen lassen, als er tatsächlich ist. Ein gestalterischer Kniff, der zur damaligen Zeit gerne angewandt wurde. Die Bepflanzung ist ebenso typisch für die Bemühungen zur Romantisierung im Gartenstil des ausgehenden 19. Jh´ s und soll mit zahlreichen Rotfichten u. a. Koniferen den Charakter eines Bergparks erzeugen. In jener Zeit war diese Gestaltung durchaus üblich und spiegelte das aufkommende Interesse für die Alpen und andere Berglandschaften wieder. In vielen Parks dieser Zeit entstanden diese Imitationen von Berglandschaften en Miniatur, wie auch zu jedem fundierten botanischen Garten ein Alpinum für die Pflanzen des Hochgebirges gehörte. Zum Ende des 19. Jh. ´s hatte fast jede Heil- und Pflegeanstalt einen eigenen Anstaltspark, der sowohl durch den zeitgenössischen Stil der Gartenkunst, aber auch durch die Anstaltsleitung und das gärtnerische Personal beeinflusst war.
Man versuchte durch die idealisierte Natur eine heiltherapeutisch positive Atmosphäre zu schaffen, da es zunehmend bekannt wurde, das Urlaub und Kuraufenthalte im Gebirge zur Heilung vieler Krankheiten beitrugen. Ähnliche Effekte schrieb man auch den plätschernden Geräuschen von Gewässern zu, was natürlich in ungleich stärkerem Maße auf Wasserfälle wie im Berggarten zutraf. Heutige Forschungen stützen diese damaligen Annahmen. So wird im Menschen eine emotionale Ausgeglichenheit erzeugt, wenn die urmenschlichen Bedürfnisse wie Wasser zum Trinken, Bäume, die Früchte versprechen, Berge mit potenziellen Schutzräumen oder auch eine Landschaft, die sichernde Ausblicke ermöglicht, befriedigt werden. Untersuchungen zeigen, dass eine savannenähnliche Parklandschaft im Umfeld von Krankenhäusern zur besseren Therapie und schnelleren Genesung von Patienten beitragen kann. Allgemein galt schon Ende des 19. Jh.´ s die Auffassung , dass die damals propagierten landschaftlichen Parks einen heilenden Einfluss haben. Der Berggarten gibt alle diese oben beschriebenen Aspekte in beispielhafter Weise wieder.

Kai-Uwe Grahmann
28.5.2010

Kaskade

Lageplan

(Landschaftsarchitekt Kai-Uwe Grahmann)

Weiterführende Literatur:

A. Reschke-Lamprecht, H. Lamprecht. "Gartendenkmalpflegerische Untersuchung des Berggartens im Nds. Landeskrankenhaus Königslutter". Studienarbeit Inst. F. Grünplanung u. Gartenarchitektur Uni Hannover 2003

DGGL (Hrsg.). "Garten und Gesundheit"  - DGGL - Jahrbuch 2008, München 2008

Adresse:

AWO Psychiatriezentrum 
Vor dem Kaiserdom 10, 38154 Königslutter am Elm

Ansprechpartnerin
Monika Hilbert-Jansen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 05353/ 901451, Monika.Hilbert-Jansen(at)awo-apz.de

Öffnungszeiten:
Der Berggarten ist zu jeder Zeit frei zugänglich. Der Eintritt ist frei.


Informationen:

über das AWO Psychiatriezentrum: www.awo-psychiatriezentrum.de

über die Stadt: www.koenigslutter.de 

Anfahrt:

Anfahrt mit der Bahn
Königslutter ist Bahnstation an der Strecke Hannover - Braunschweig - Helmstedt - Magdeburg. Vom Bahnhof brauchen Sie ca. 20 Minuten zu Fuß, mit dem Taxi 5 Minuten.

Anfahrt mit dem Auto:

Autobahn A2 Hannover - Berlin

Autobahnabfahrt Königslutter, Richtung Ochsendorf. Am Ortseingang Königslutter weiter geradeaus Richtung Braunschweig, der B1 folgen. Kurz vor dem Ortsausgang dem Wegweiser „AWO Psychiatriezentrum, Psychiatrie Akademie“ nach links folgen.
Bei Anfahrt aus Richtung Kassel

in Braunschweig der A 39 Richtung Helmstedt/ Berlin folgen (nicht Gifhorn/ Hannover/ Berlin). In Cremlingen abfahren auf die B1 Richtung Helmstedt/ Königslutter. Am Ortseingang Königslutter der ersten Straße rechts folgen. Wegweiser AWO Psychiatriezentrum, Psychiatrie Akademie.

Gleich hinter der Einfahrt zum Psychiatriezentrum befinden sich rechts die Parkplätze.

Veranstaltungen:

Orte der Sinne: Sinnespfad auf dem Gelände des AWO

Ausstellungen 
Psychiatriezentrum
Galerie am Berg: Wechselnde Ausstellungen verschiedenen Künstler (Malerei, Skulpturen) im Bergcafé auf dem Gelände des AWO Psychiatriezentrums, Öffnungszeiten Mo-Fr 9.30 - 18.00 Uhr , Sa+So 13.30 - 18.00 Uhr


Gastronomie:

Bergcafé: selbstgebackener Kuchen, Kaffee und Getränke, Salate und Snacks, täglich wechselnde Mittagsmahlzeiten, zwei Außenterrassen
auf dem Gelände des AWO Psychiatriezentrum,
Öffnungszeiten Mo-Fr 9.30 - 18.00 Uhr , Sa+So 13.30 - 18.00 Uhr

Infoshop, Kiosk am Eingang des AWO Psychiatriezentrums, Kaffee,
Snacks, Süßigkeiten, Geschenke, Zeitschriften und Zigaretten,       

Café am Dom: privat betriebenes Café.

 

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung:

Kaiserdom (Stiftskirche St. Peter und Paul): herausragendes romanisches Bauwerk, Kreuzgang, Klosterhof, Grabstätte des Kaisers Lothar III von Süpplingenburg, 875 Jahre alt, neu restauriert, besondere Domorgel, Öffnungszeiten:
09.00 - 18.00 Uhr (April - Oktober)
09.00 - 17.00 Uhr (November - März)

 

Kaiser-Lothar-Linde:
Naturdenkmal, Der Baum zählt zu den ältesten und dicksten Linden in Niedersachsen. 1135, im Jahr des Baubeginns des Kaiserdoms bei der Grundsteinlegung durch Kaiser Lothar III. gepflanzt. Der Baum ist heute etwa 20 m hoch und hat einen Stammumfang zwischen 11 und 15 m.

Museum für Mechanische Musikinstrumente:
Sammlung von mehr als 200 Objekten von internationalem Rang (Spieldosen, Leierkästen und Jahrmarktorchestrione), alle Instrumente sind funktionstüchtig und vorführbereit.
Vor dem Kaiserdom 3-5, 38154 Königslutter, Tel. 05353 918464, Website

 

Geopark-Informationszentrum:
Die Erdgeschichte des Braunschweiger Landes ist Thema des Geopark-Informationszentrums in einem alten Fachwerkgebäude in Königslutter. Das Zentrum ist zudem touristisches Informationsportal der Region.

An der Stadtkirche 1, 38154 Königslutter, Tel. 05353 913 740, Website